Verhandungsverfahren // Offenburg 2026
Mit dem Umzug des Ortenauklinikums an den neuen Zentralstandort Holderstock – die Inbetriebnahme des Neubaus ist derzeit für Ende 2030 vorgesehen – fällt das rund 7,2 Hektar große Klinikareal am Ebertplatz an die Stadt Offenburg zurück. Für das Quartier rund um den Ebertplatz und die gesamte nördliche Oststadt eröffnet sich damit eine der zentralen städtebaulichen Entwicklungsaufgaben der kommenden Jahre: Ein gewachsenes, innerstädtisch integriertes Areal mit einer Vielzahl an Bestandsgebäuden aus verschiedenen Jahrzehnten soll einer neuen, tragfähigen Nutzung zugeführt werden. Ziel der Stadt Offenburg ist es, das Gebiet im Jahr 2027 als Sanierungsgebiet „Ebertplatz“ förmlich auszuweisen und in die Städtebauförderung aufzunehmen. Um diese Entscheidung fachlich abzusichern, wurden zwei inhaltlich eng verzahnte Untersuchungen europaweit ausgeschrieben.
Vorbereitende Untersuchungen (VU) nach § 141 BauGB
Für den mischgenutzten, rund 30 Hektar großen Bereich um den Ebertplatz werden die vorhandenen städtebaulichen Verhältnisse analysiert, städtebauliche Missstände festgestellt und die Notwendigkeit, Art und Durchführbarkeit einer Sanierungsmaßnahme geprüft. Der Auftrag gliedert sich in vier Module: Bestandsaufnahme und Analyse, Erarbeitung der Sanierungsziele und Maßnahmen, Kommunikation und Öffentlichkeitsbeteiligung (u. a. Auftaktveranstaltung und Befragung von Bewohnerschaft, Eigentümerschaft und Gewerbetreibenden) sowie Prozesskoordination und Zusammenführung zu einem Abschlussbericht. Die Ergebnisse bilden die Grundlage für den Antrag auf Städtebaufördermittel.
Bestandserfassung und Potenzialanalyse der Bestandsgebäude
Für rund 65.100 m² Nettoraumfläche auf dem Klinikareal wird der Zustand der Gebäude umfassend erhoben und bewertet – von der Bausubstanz über Statik und Gebäudetechnik (ELT sowie HKLS) bis zum Brandschutz. Ein interdisziplinäres Planungsteam aus Objektplanung, technischer Gebäudeausrüstung, Tragwerksplanung und Brandschutz erarbeitet daraus Entwicklungsszenarien und konkrete Handlungsempfehlungen zur zentralen Frage von Erhalt, Umnutzung oder Abriss. Leitgedanke ist ein ressourcenschonender Umgang mit dem Bestand: Erhalt und Nachnutzung haben Vorrang, und auch die Wiederverwendung von Baustoffen sowie der Erhalt vorhandener Freiflächen – etwa des Klinikparks An der Tagmess – werden von Beginn an mitgedacht.
Beide Verfahren wurden als Verhandlungsverfahren mit vorgeschaltetem europaweitem Teilnahmewettbewerb nach VgV und GWB durchgeführt. Über ihre Schnittstelle greifen die städtebaulichen und die baulichen Erkenntnisse ineinander und ergeben ein belastbares Gesamtbild als Entscheidungsgrundlage für die weitere Quartiersentwicklung. Unser Team hat für die Stadt Offenburg bei der Vorbereitung und Durchführung beider Vergabeverfahren begleitet. Unsere Leistung reichte von der Strukturierung des Verfahrens über die Erstellung rechtssicherer Vergabe- und Angebotsunterlagen bis zur vollständigen Abwicklung des europaweiten Verhandlungsverfahrens nach VgV und GWB – einschließlich Teilnahmewettbewerb, Eignungsprüfung, Bieterkommunikation und einer transparenten, nachvollziehbaren Bewertungsmethodik.

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