Hahnentorburg Köln

Gutachterverfahren in 2 Bearbeitungsphasen für Architekten // Köln 2017

Leistungen der FSW Düsseldorf

  • Vorbereitung, Organisation und Gesamtkoordination des Gutachterverfahrens
  • Formale und technische Vorprüfung
  • Dokumentation

Das Hahnentor ist eines der prägenden Baumonumente der Kölner Stadtsilhouette. Als Tor nach Westen kam und kommt dem Ort eine ganz besonders Bedeutung zu. Hier betraten die Könige nach ihrer Krönungszeremonie in Aachen die Stadt über die Aachener Straße und zogen zum Schrein der Heiligen Drei Könige in den Kölner Dom. Seit dieser Funktion unterlagen die Hahnentorburg und die unmittelbare Umgebung stetigen Veränderungen. So wurde die Hahnentorburg im Zuge der Abbrucharbeiten der historischen Stadtmauer nach dem Konzept des Stadtplaners Josef Stübben, der die erhaltenen Kölner Torburgen als “isoliert stehende Monumente” inszenierte, freigestellt und später im Zuge der Sanierung in den Torecken baulich ergänzt. Nach den Kriegszerstörungen wurden diese Ergänzungen entfernt, die Hahnentorburg saniert und schließlich der heutige Zustand mit der Wiederherstellung des Nordturms in den 50er Jahren und der Brücke umgesetzt.

Mit Veränderung der Bausubstanz gingen auch immer Nutzungsänderungen einher. Nach Nutzung als Historisches Museum und Ausstellungsgebäudes des Berufsvereins Bildender Künstler, ist die Hahnentorburg seit 1988 Heimat und Sitz der Karnevalsgesellschaft EhrenGarde der Stadt Köln 1902 e.V., die die Räumlichkeiten für ihr Vereinsleben und zur Brauchtumspflege nutzt und sich im Gegenzug um den Erhalt der Hahnentorburg kümmert. Nun stehen erneut einschneidende Veränderungen am Rudolfplatz an. Der südlich gelegene Block wird in den nächsten Jahren neu gestaltet. Auf Grundlage des 2015 entschiedenen Gutachterverfahrens wird hier nach den Entwürfen des englischen Büros Caruso St John ein neuer Gebäudekomplex entstehen. Auf der Grundlage des 2009 beschlossenen Masterplans wird zudem zukünftig die gesamte verkehrliche Situation neu geordnet und im Zuge der Maßnahme „Ost-West-Achse“ umgebaut. Diese geplanten Veränderungen haben unmittelbar Auswirkungen auf die Hahnentorburg.

So ist in Zusammenhang mit vorgenannter Projektentwicklung des südlichen Baublocks der Abriss der in den 1960er Jahren angebauten Brückenkonstruktion für 2017 avisiert. Der Wegfall der hierin vorhandenen Räumlichkeiten kann für den Nutzer im Bestand der Hahnentorburg nicht kompensiert werden. U.a. durch den Verlust eines Erschließungskernes und den Eingriff in funktionierende Raumzusammenhänge ist eine weitere Nutzung der verbliebenen Räume in heutiger Form für die Ehrengarde nicht möglich. Unabhängig von der Nutzung der Hahnentorburg durch die EhrenGarde gibt es ohne ein neues Konzept wegen der unzureichenden Zugangsmöglichkeiten kaum eine vorstellbare Nutzung. Ziel ist es, das Denkmal langfristig lebendig und erlebbar zu (er)halten.

Die EhrenGarde hatte in enger Abstimmung mit der Stadt Köln aus diesem Grund ein Gutachterverfahren mit zwei Bearbeitungsphasen und insgesamt 13 Architekten initiiert, um die Möglichkeit der Positionierung eines Ersatzanbaus zu prüfen und architektonisch zu konkretisieren. Auch soll hiermit die planerische Grundlage vorgelegt werden, ob ein Anbau an die Torburg denkmalrechtlich möglich ist. Die Aufgabe ist weniger aufgrund des umzusetzenden Programms, als aufgrund der hochgradig komplexen Rahmenbedingungen des Ortes eine besondere Herausforderung. In der finalen Entscheidung der Jury konnte sich der Entwurf des Büros Kister Scheithauer Gross (Köln) durchsetzen.

Nach oben

Hahnentorburg Köln
© Kister Scheithauer Gross
© Kister Scheithauer Gross